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Das fanfreundliche "justpay"-Konzept
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Seit rund zehn Jahren gibt es in der Bundesliga bargeldloses Bezahlsystem - 11 von 18 Vereinen mittlerweile involviert
05.05.2011 - GIESSEN
Von Daniel Seehuber
GIESSEN. Vor rund zehn Jahren etablierte der FC Schalke 04 als erster Verein der Fußball-Bundesliga in seiner damals neuen Arena AufSchalke ein bargeldloses Bezahlsystem - seitdem kann an Verpflegungsständen auf dem Stadiongelände ausschließlich mit der sogenannten Knappenkarte bezahlt werden. Nach anfänglichen Problemen wurde das innovative System von den Fans (scheinbar) akzeptiert - und auch andere Vereine sprangen auf den Zug auf: Heute wird in elf der 18 Bundesliga-Stadien nur noch mit Karte gezahlt.
Die Vereine rechtfertigen ihre Umstellung mit einem reibungsloseren Ablauf an Verpflegungsständen - insbesondere in der Halbzeitpause. Doch vollkommene Zufriedenheit hat sich in den vergangenen Jahren nicht eingestellt. Denn meist müssen die Karten mit Beträgen von mindestens fünf Euro aufgeladen werden, was besonders für den sporadischen Stadiongänger ärgerlich ist - zumal lange Schlangen an den Ständen oftmals die Kartenrückgabe erschweren. Ich habe mittlerweile mehr als fünf Karten aus verschiedenen Stadien zuhause herumliegen.
Obwohl noch Restguthaben drauf ist, habe ich die Karten aus zeitlichen Gründen nicht zurückgegeben, berichtet beispielsweise Kreisfußballwart Henry Mohr und fährt fort: Als Fan muss man sich heute schon vor dem Stadionbesuch genau überlegen, was man essen und trinken will, denn sonst verleibt unnötiges Guthaben auf den Karten, das womöglich nie mehr aufgebraucht wird. Vom sogenannten Schlummergroschen ist in diesem Zusammenhang des Öfteren die Rede. Brancheninsider gehen davon aus, dass bis zu zehn Prozent des aufgeladenen Betrages nicht ausgegeben wird.
So häufen sich größere Summen an, mit denen letztlich die Betreiber eifrig wirtschaften können - und dies wohl auch tun. Trotz dieses Aspekts scheint der Trend zum bargeldlosen Bezahlen in Bundesliga-Stadien unumkehrbar. Zur kommenden Saison wird der FSV Mainz 05 in seiner neuen Arena ein Kartensystem einführen, und selbst beim traditionsbewussten FC St. Pauli denkt man über eine solche Maßnahme nach. Insofern geht es wohl eher darum, für den Zuschauer eine verträgliche Form dieser Zahl-Variante anzubieten. Es muss ein System her, das sowohl für den Stammzuschauer als auch den gelegentlichen Besucher Vorteile bietet, fordert Mohr.
Einen guten Lösungsansatz hat das Münchner Unternehmen Payment Solution parat, das mit seinem geschlossenen Bezahlsystem JustPay in mittlerweile fünf Erstligastadien vertreten ist - auch in der Frankfurter Commerzbank-Arena. Der entscheidende Vorteil für Fans: Die Karten sind in allen kooperierenden Stadien gültig - also auch bei möglichen Auswärtsfahrten benutzbar. Damit kann im Gegensatz zum Stadionbesuch in Hannover, München und Gelsenkirchen, deren Bezahlkarten ausschließlich vor Ort benutzt werden können, ein Schlummergroschen vermieden werden. Zu Beginn der laufenden Saison hat sich auch Borussia Dortmund für JustPay entschieden - und den sogenannten Stadiondeckel eingeführt.
Im Vorfeld der Systemimplementierung war seitens einiger Fangruppierungen zwar keine generelle Ablehnung, aber dennoch eine gewisse Skepsis zu vernehmen, erinnert sich Christian Hockenjos, Geschäftsführer der BVB Stadion GmbH, der heute eine positive Zwischenbilanz zieht: Die logischerweise aufgetretenen Kinderkrankheiten des Systems sind beseitigt - unsere Stadionbesucher sehen diese Technologie positiv, und wir haben quasi keine Beschwerden darüber vorliegen. Auch auf Seiten des Anbieters ist man mit der bisherigen Entwicklung sehr zufrieden, sodass das fanfreundliche JustPay-Konzept mittelfristig in weiteren Stadien angeboten werden könnte.
Eine offensichtlich noch bessere bargeldlose Variante ermöglichen offene Systeme, die es aber bisher nur in den Stadien in Stuttgart und Leverkusen gibt. Zur Rückrunde der Saison 2008/09 hat der VfB Stuttgart in Zusammenarbeit mit der Baden-Württembergischen Bank die sogenannte Fankarte in Umlauf gebracht, die als Mastercard-Kreditkarte auch außerhalb des Stadions an den mehr als 27 Millionen Akzeptanzstellen eingesetzt werden kann. Ein ähnliches Konzept verfolgt Bayer Leverkusen, und zur Saison 2011/12 wird auch der FSV Mainz 05 in seinem neuen Stadion ein offenes System etablieren.
Offene Systeme
Die von der Sparkasse Mainz entwickelte 05er-FanKarte soll nicht nur zum Bezahlen an Verpflegungsständen dienen, sondern zugleich als Mitgliedsausweis und Dauerkarte fungieren. Uns war es wichtig, ein offenes Zahlungssystem einzuführen, das die Besucher sofort nutzen können, ohne eine neue Karte erwerben zu müssen, heißt es von Seiten des Vereins, der betont: Dass bei geschlossenen Systemen nach dem Spieltag häufig auf der Karte verbleibende Restguthaben gibt es bei der 05er-FanKarte nicht.
Über weitere Vereine, die ein solches Modell im Blick haben, ist derzeit nichts bekannt. Michael Rieb, Betreiber der Gießener Schalke04-Sportsbar sieht einen einfachen Grund dafür: Für die Fans wäre ein solches System natürlich eine tolle Sache, aber für die Vereine ist das wohl nicht lukrativ genug. Von daher glaube ich nicht, dass so ein Modell flächendeckend zum Einsatz kommen wird, so der leidenschaftliche Schalke-Anhänger, der regelmäßig ins Stadion geht.
Das System des bargeldlosen Bezahlens wird auch zukünftig die Gemüter der Fans erregen - spätestens, wenn man für eine Brezel wieder einmal mindestens fünf Euro parat haben muss. Nur leidenschaftliche Sammler werden das System wohl entschieden befürworten, werden doch beispielsweise auf der Schalker Knappenkarte wechselnde Motive abgedruckt und an Spieltagen können fehlende Motive sogar an einem Extra-Stand erworben werden. Ich habe mehr als 70 solcher Karten im Keller hängen und da bin ich sicher nicht der Einzige, meint Rieb. Für Fans, die keine Sammlerleidenschaft haben, bleibt die Hoffnung, dass in Stadien zunehmend offene Systeme oder eine große flächendeckende geschlossene Variante Einzug halten wird - damit die Zuschauer und nicht mehr vorrangig die Betreiber profitieren.